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Tronde Thorgrimmsson

  

Die Sonne kitzelte mir in der Nase. Der Becher Met, den ich zum Mittag getrunken hatte, hüllte mich in eine angenehme Müdigkeit. Nur eine Fliege, die es sich irgendwie in den Kopf gesetzt hatte, an meinem Ohr etwas Nahrung zu finden, hielt mich von einem wohlverdienten Schläfchen ab.

Odin sei Dank war ich schon seit einigen Monden bei dieser Gruppe. Meine Gedanken schweiften zurück zu den Tagen, in denen ich, nach dem Tod meines Vaters von meinen Brüdern noch schlimmer als ein Sklave behandelt wurde. Endlich hatten sie sich an mir rächen können. Mein Vater hatte mehr als einen Bauern aus mir machen wollen, schickte mich schon früh zum Händler Larsson im Nachbardorf, der mir Lesen und Schreiben und sogar das Rechnen lehrte. Ich fuhr mit Ihm auf den Markt, während meine Brüder die undankbare Erde von Møn bepflanzten. So war ich immer der kleine und schmächtige, von den Schlägen meiner durch Landarbeit gestärkten Brüder nur durch meinen Vater geschützt.

Von dem Hof und dem Dreck nach dem Tod meines Vaters wäre ich nie entronnen, wenn nicht eines Tages der alte Larsson persönlich aufgetaucht wäre. Er sagte, „ich nehme Euch Eure ganze Rübenernte ab, wenn Ihr mir Tronde als Hilfe zum Verkauf mit dazugebt.“ Sie murrten zwar etwas, aber da die Rüben schon zu faulen anfingen und der Winter vor der Tür stand, wo ich als Esser nur störte, willigten sie ein.

Die nächsten Tage waren nicht leichter für mich, mussten doch die Rüben an den Anlegesteg gebracht werden, wo das kleine Handelsboot von Larsson stand. Als die Arbeit getan war nahm mich Larsson zur Seite zündete seine Pfeife an und meinte: „Ich bin schon alt, nimm Du mein Schiff und die Rüben, verkaufe sie drüben in Seeland und werde Händler wie ich. Bringe mir jeden Herbst etwas Tabak, den zehnten deiner Einnahmen und ein paar Geschichten aus der weiten Welt mit und mache der wurmstichigen Gudrid alle Ehre, sie ist bekannt in allen Häfen der Ostsee. Ich gebe dir Erik als Schiffsjungen, den alten Jannes fürs Steuer und Thors Segen zur Seite und hoffe Dich noch vor dem Winter wiederzusehen.“ Er lächelte mich an blies ein paar Rauchringe in den Abendhimmel und schlurfte heimwärts. Ich übernachtete überglücklich auf dem Boot und stach am nächsten Morgen mit Erik und Jannes Richtung Seeland in See. Als wir zwei Tage später Trelleborg erreichten, wurden uns die Rüben nur so aus den Händen gerissen. Winterlager mussten angelegt werden und so machten wir gute Geschäfte. Ich kannte Trelleborg von zwei früheren Fahrten, doch es war wie immer beeindruckend zu sehen welch ein buntes Treiben an dem Handelsplatz herrschte. Ich kaufte gut ein, viele Dinge, die es auf unserer kleinen Insel kaum gab, für die man leicht das doppelte bekommen konnte. Wenige Tage später legten wir ab und erreichten noch vor den Herbststürmen Møn, wo ich nachdem wir das Schiff winterfest gemacht hatten, dem alten Larsson ein gutes Säckchen Geld von dem erhaltenen Erlös geben konnte.

„Tronde fass mal mit an.“ Arnulf riss mich jäh aus meinen Träumen. Er versuchte gerade eine der schweren Kisten auf den Wagen zu heben, in denen wir unseren Lagerkram verstauten. Schnell hatten wir alles eingeladen und Arnulf sagte mir, dass wir in Kürze aufbrechen würden. Zeit genug für eine Pfeife, eine Leidenschaft, die ich vom alten Larsson übernommen hatte. Schon merkwürdig, jetzt mit diesem Tross auf dem Landweg zu reisen, wo ich doch mit der See so verbunden war, fast für immer...

Viele Jahre bin ich mit der wurmstichigen Gudrid unterwegs gewesen habe mal mehr mal weniger Waren und Geld nach Hause gebracht, so dass wir auch dann noch gut über den Winter kamen, als der alte Larsson schon lange keinen zehnten Teil mehr entgegen nehmen konnte. Immer hatten wir das Schiff im Frühjahr wieder flott gemacht, so dass wir selbst bis ins Rus gereist waren.

Doch der letzte Sommer war von den Göttern verflucht. Zweimal sind wir in schwere Stürme gekommen und verloren die halbe Ladung, dann vor Wollin kam unser voll beladenes Schiff in ein schweres Gewitter und ich sah das der letzte Tag für unser treues Gefährt hereingebrochen war. Jannes versuchte gegenzuhalten, erspähte zwischen den Wellen den grünen Schimmer des Festlandes. Als eine schwere Welle ihn von Deck spülte gab ich uns verloren. Auf Deck kniend flehte ich Thor an, uns noch dieses eine mal zu verschonen und ich schwor, nie wieder zur See zu fahren, wenn er mich verschonte. Ein Blitz schlug in den Mast ein und zerteilte mit ihm das Schiff. Erik und ich hielten uns an leichten Kisten fest bevor wir über Bord gingen. Thor sei Dank hatte uns Jannes wirklich in Richtung Land gesteuert und so erreichten wir müde und entkräftet die Küste bei Wollin.

Meine Pfeife war ausgegangen. Die Erinnerungen lagen noch schwer auf meinem Gemüt. Mit viel Glück hatte ich in Wollin das Handelsschiff gegen den Handelswagen tauschen und viele neue Weggefährten finden können. Arnulf winkte zum Aufbruch, schnell war ich auf dem Wagen, hatte ich doch die verlockende Aussicht, schon morgen in Haithabu zum Markttag zu kommen.

 

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