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Thoranor Herbertsson

  

Schnee, immer nur Schnee der aus einem bleigrauen Himmel fällt. Seit Tagen haben wir unser Winterlager nicht mehr verlassen können, man kann die gereizte Stimmung im Tross fast sehen. Eben ist mein Bruder Thoralf freiwillig zum Holzhacken gegangen, er murmelte nur etwas von „bedenklich wenig Scheite neben der Feuergrube und die Nächte werden nicht wärmer“. Seit über drei Monaten stecken wir hier im Winterlager nahe Wollin fest, vor 5 Wochen haben wir gemeinsam das Julfest begangen. Arnulf und Björn sind seit dem frühen Morgen mit Schneeschuhen aufgebrochen, um in den von Ihnen gelegten Schlingen nach unvorsichtigen Hasen und anderen Pelzgetier zu schauen. Svea knetet Fladenteig und singt dabei leise vor sich hin während Algrid aus dem Teig kunstvoll Fladen dreht und über dem Feuer bäckt. Der Duft der garenden Fladen durchzieht bald das ganze Langhaus, aber jeder, der sich den fertig gebackenen Fladen auch nur nähert wird von den beiden Walküren mit wüsten Flüchen vertrieben

Mir gelang es trotzdem, einen Fladen zu stibitzen und ich trollte mich mit meiner Beute nach draußen. Ich lehnte mich gegen die Hauswand und betrachtete die untergehende Sonne und fing an, mit offenen Augen zu träumen. „Hab ich dich schon wieder beim faulenzen erwischt“ hörte ich den dröhnenden Bass meines Stiefvaters „du und dein fauler Bruder fressen mir die Haare vom Kopf, glaubt nur ja nicht, dass ich euch nur einen deut besser als die Sklaven behandele, nur weil eure Mutter kurzzeitig mein Weib war“. Keine drei Wochen war es her, dass wir sie zu Grabe getragen hatten, gestorben im Kindbett und mit ihr meine neugeborene Stiefschwester. Seit drei Jahren lebten ich und mein Bruder Thoralf nun unter der Fron unseres Stiefvaters, seit unser gemeinsamer Vater von seiner Wikingfahrt nicht zurückkehrte und meine Mutter notgedrungen wieder heiratete, um nicht mit uns zu verhungern. Jetzt wo sie tot war hielt mich nichts mehr hier, auch wenn der Hof im Oslofjord unser eigenes Land war. Thoralf und ich hatten beschlossen, zu unserem Onkel Ingolf nach Birka zu gehen, dort würden wir es alle Mal besser haben als hier. Heute Nacht werden wir gehen aber wir kommen wieder, wenn....

„Thoranor, hilfst du mir mal kurz den Brunnen zu enteisen, wir brauchen Wasser für die Tiere“ riss mich die Trondes Stimme aus meinen Tagträumen. Natürlich, der immer praktisch denkende Tronde dachte ich und fasste grinsend mit an. In der Kammer neben dem Stall fand ich Lane über ihren Kasten mit getrockneten Kräutern gebeugt, emsig zerstieß sie aromatische Kräuter in einem Holzmörser. „Na, was gibt das denn Gutes, wenn es fertig ist“ wollte ich von ihr wissen. „Mein bester Kräutertee gegen Erkältungen“ antwortete Sie „Willst du auch welchen ?“ „Nein Danke fürs Angebot aber noch fühle ich mich gesund“ antwortete ich und dachte dabei an ihre drei verstorbenen Gatten....

Mein Träume in dieser Nacht führten mich erneut zurück in die Vergangenheit. Nach unserer geglückten Flucht vor unserem verhassten Stiefvater kamen wir nach mehrwöchiger Wanderschaft halbverhungert auf dem Hof unseres Onkels in Birka an. Der wollte uns, nachdem er uns zunächst stürmisch begrüßt und danach verköstigt hatte, sofort zu unserem Stiefvater zurückschicken. Die nur schlecht verheilten Peitschennarben auf Thoralfs und meinem Rücken belehrten ihn aber rasch und er schwor, das wir bei ihm bleiben können und er für uns sorgen würde, wie für seine eigenen Kinder. So verbrachten wir die folgenden Jahre auf dem Hof unseres Onkels, lernten den Umgang mit Waffen und Bogen aber auch den schwierigeren Gebrauch von Tinte und Feder beim erlernen der Runenschrift und einfacher Mathematik. Mit 14 Jahren begleitete ich meinen Onkel auf eine mehrmonatige Handelsfahrt zu den Rus und Petschenegen, in den folgenden Jahren reisten wir über die Nordmeere bis nach Grönland und über die südlichen Meere bis nach Byzanz. Überall handelten wir mit allen und jedem, wenn dabei nur ein guter Gewinn zu erzielen war. Nur eines taten wir nie, obwohl uns dafür eine Leidenschaft nachgesagt wird – wir gingen nie auf den Viking. Onkel Ingolf meinte dazu, als wir eines Winterabends mit leuchtenden Augen den Versen eines reisenden Skjalden gelauscht hatten, welcher die Heldentaten des Erich Blutaxt bei der Plünderung Brimums besang „Ein ehrloses Handwerk, welches nur den Neiding reich macht, denn nur in der Übermacht getrauen sich diese „Helden“ auf den Strandhieb“ – Odin wird solche Schlächter in Walhall sicherlich nicht willkommen heißen“. Wir fragten niemals wieder und erlernten so das Handwerk eines fahrenden Händlers. Als Thoralf 20 wurde schickte er Ihn zu seinem Bruder nach Byzanz und mich ein Jahr später zu einem befreundeten Händler nach Haithabu. Dort traf ich eines Abends auf Arnulf, Björn und Tronde, die sturzbetrunken in einer verrufenen Schänke im Hafenviertel saßen. Vor der Schänke waren ihre lauten Stimmen und Gelächter zu hören, dann flog ein fetter Mann mit Getöse durch die geschlossenen Fensterladen auf die Strasse. Mühsam rappelte er sich auf und schleppte sich zurück in die Schänke – nur um Augenblicke später wieder durch das Fenster auf die Straße zu fliegen. „Guter Mann“ sagte ich zu dem Beleibten „Ihr seht doch, dass ihr in dieser Schänke nicht wohl gelitten seit – warum versucht ihr also immer wieder hinein zu gelangen ?“ Der blutende und vom Kot auf der Straße verschmutzte antwortete „Weil ich der Besitzer dieser Schänke bin“ und trollte sich hinein. Ich gesellte mich zu den lachenden Gesellen und gemeinsam beförderten wir den Wirt ein drittes Mal aus dem Fenster – so begann meine Freundschaft mit Arnulf, Björn und Tronde und am nächsten Morgen beschloss ich, mich ihrem „Berlicumer Marketendertross“ anzuschließen. Wir zogen mit unseren Packtieren und Wagen von einen Ort zum anderen – handelten auf den Märkten, schlugen uns zuweilen mit Räubern und Wegelagerern und genossen es, jung und frei zu sein. Vor nicht einmal sechs Monaten zog unser Tross die Küstenstraße von Birka nach Lund hinunter. Eines Morgens, wir jagten Kleinwild im Wald unweit der Küste, geschah etwas, was mein Leben seither gründlich verändert hat. Ich hörte ein Geräusch im Wald, blickte mich um und fand eine junge Frau, welche sich mit einem Fuß in einer Wurzel verfangen hatte und gestolpert war.. Mit wenigen Schritten war ich bei ihr und half ihr wieder auf die Beine. Sie schaute mich mit großen Augen an – und seither bin ich ihr verfallen. Ihr Name ist Aleke Ortrunsdottir, sie lebt mit ihrem Sohn Falko in einer Höhle im Wald seitdem sie von der Sippe ihres verschollenen Mannes aus Neid und Habgier vertrieben wurde. Wir begleiteten sie zu ihrer Unterkunft, einer von außen unscheinbaren Höhle, die im Inneren warm und behaglich ausgestattet war. Wir beschlossen, hier ebenfalls unser Lager aufzuschlagen und ehe wir uns versahen, war bereits eine Woche vergangen. Am nächsten Morgen fragte ich Aleke, ob sie und ihr Sohn nicht unserem Tross beitreten wollten – sie sagte ja und kurz darauf wurde sie meine Frau. Ein kalter Luftzug an meinen Beinen weckt mich aus meinem Schlaf – Aleke hat wieder die ganze Wolldecke zu sich gezogen – vorsichtig erobere ich meinen Teil der Decke wieder zurück und rücke nahe an ihren warmen Körper heran.

 

 

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Berlicumer Marketendertross
Reitende Boten bitte melden bei: info@berlicum.de.