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Bjørn ‚Beulenschädel’ Bernsson

  

„...autsch!!!... dreimal verfluchter Mist... wer spannt denn das Vorzelt wieder so tief  ab, dass auch ein Gnom nur auf allen Vieren darunter kommt??!?“ Breites Grinsen tritt in alle, vom Lagerfeuer erhellten Gesichter. „Der Beulenschädel hat seinem Namen wieder mal alle Ehre gemacht...“ denkt sich der eine oder andere... nein, eigentlich denken das alle. Nun, dieser Spott ist wenigstens immer wohlwollend gemeint.

Wenn Knecht Bern, der bärenstarke zu Hause in Lindholm, auf Großbauer Nordolf Snorrisons Hof, den einen Sohn einen Beulenschädel schimpfte, während er den anderen, klein Bjarne, liebevoll auf den Knien wiegte, klang das weniger freundlich. Meist folgten noch Beschimpfungen wie „Eine Statur wie Thors Eiche aber behände wie eine Krüppelkiefer!“ oder „Was er mit den Händen aufbaut, das reist er mit dem Ar... nein mit dem Schädel wieder ein!“. Wie sich der geneigte Leser denken kann, konnte Bjørn seinen Vater so gut wie nie zufrieden stellen..

Eines Tages, man war gerade wieder mit dem Großbauern Nordolf Snorrison unterwegs und lehrte die Bewohner eines Slawendorfes das Fürchten, wurde Bjørns Blick von einer jungen Frau gefesselt, die ihm tags zuvor schon aufgefallen war, als sie das Dorf unter dem Vorwand des Handelns ausgekundschaftet hatten. Ein Moment der Unaufmerksamkeit, der ihm fast zum Verhängnis geworden wäre. Gerade noch rechtzeitig konnte er dem Axthieb ausweichen, der seinen Kopf zum Ziel hatte. Der slawische Hetmann hatte Bjørn verzweifelt angegriffen und büßte dies nun mit seinem Leben. Grimmig stand Bjørn über dem Leichnam und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. „Hat er mich doch noch erwischt... nun ja, warum sollte ich auch ausgerechnet diesmal ohne Beule nach Hause kommen...“.

 

Während Bjørn noch so in sich versunken dastand hörte er plötzlich die junge Frau nach ihrem Vater rufen. Bjørn kam zu sich und blickte in die Richtung aus der die Rufe kamen. Gerade noch konnte er erkennen, wie Arnulf Thorfinnsson, sein Freund und Waffengefährte, die Frau hinter eine Hütte zerrte. „Heda, Rotauge, lass sie mir!“ rief er und lief hinzu. „Such dir selber eine!“ brummte Arnulf ihn an. Bjørn überlegte kurz, wie er Arnulf die Frau abschwatzen könnte, dann grinste er. „Soll ich Svea erzählen, dass du anderen Frauenzimmern nachgestellt hast? Also, lass sie mir und ich versprech’ dir obendrein, meinen Alten zu beknien, dass er dir mein Schwesterchen zur Frau geben soll, wenn wir wieder am Limfjord liegen.“

Immer wieder hatte Arnulf Bjørn gebeten, ja angefleht mit dem alten Bern über Svea und Arnulf zu reden. Bjørn hatte es auch einmal versucht. Bern war ihm damals so über das Maul gefahren, dass Bjørn wenig Lust auf weitere Versuche verspürt hatte. Zu alt wäre Arnulf, keine gute Partie wäre er für Svea und überhaupt solle sich Bjørn lieber Gedanken über seine eigene Zukunft machen.

All das ging Bjørn durch den Kopf, als er vor Arnulf stand und über die junge Slawin verhandelte. Er wusste genau, dass Arnulf nicht ablehnen würde, so, wie das kleine Blondchen Svea ihn schon um den Finger gewickelt hatte. Arnulf zögerte noch kurz, dann ließ er die Slawin vor Bjørns Füße fallen und brummte im Gehen „Da! Werd’ glücklich mit ihr...“. Bjørn blickte ihm grinsend nach, dann wandte er sich der jungen Frau zu und half ihr auf. „Ich bin Bjørn und dich werde ich zu meinem Weib machen, wenn wir zu Hause sind!“. Sprach’s und lud sich die erst verdutzte, dann wild strampelnde Slawin auf die Schultern.

Als Björn den Strand erreichte, stand Bern schon am Bug des Langschiffes und brüllte. „Gut! Noch mehr Sklaven und die wird gutes Silber bringen. Bist doch manchmal für was gut. Aber was seh’ ich? Schon wieder den Beulenschädel zum Kämpfen benutzt?“ So und noch anders schallte es Bjørn entgegen. Noch am selben Abend ging Bjørn zu Nordolf und bat ihn, ihm die Slawin als Anteil an der Beute zu überlassen. Er würde auch kein Silber mehr haben wollen. Nordolf willigte, besorgt um den Frieden an Bord, widerstrebend ein. Er wusste schließlich, was für ein Geschrei Bern wieder erheben würde. Aber Bjørn hatte tapfer gefochten, so dass er schlussendlich dessen Bitte nicht abschlagen konnte. Bern erfuhr natürlich schnell davon und beschimpfte seinen Sohn lauthals: „Wie kannst du deinen Anteil an der Beute für diese Slawen-Hure verschleudern? Drücken dir die Beulen jetzt schon auf den Bregen?!?“

Bjørn beschloss, sein und Arnulfs Anliegen besser bei anderer Gelegenheit vorzubringen, hoffte er doch, dass sich Bern an den Gedanken gewöhnen würde, jetzt wo Bjørn Tatsachen geschaffen hatte. Silja, so hieß die junge Slawen-Frau, ergab sich rasch ihrem Schicksal, so dass es Bjørn in den Wochen auf See gelang, ihr Vertrauen zu gewinnen, nicht zuletzt, da er ja ihre Ehre gewahrt hatte. Dadurch ermutigt beschloss Bjørn, seinen Vater noch auf See anzusprechen. Doch Bern wollte weder von seiner Hochzeit mit Silja noch von Arnulf und Svea etwas wissen. In altbekannter Weise polterte er vor versammelter Mannschaft, was sein Sohn doch für ein Schwächling sei, dass er sich von einer Sklavin die Sinne vernebeln lasse, und selbst wenn, so müsse man diese doch nicht auch noch zum Weibe nehmen. Und was seinen Kumpan Arnulf anginge, so solle dieser es nicht noch einmal wagen die Dreistigkeit zu besitzen, um die Hand von seiner Tochter anzuhalten.

Auf diese derbe Weise gedemütigt, und aller ihrer Hoffnungen beraubt beschlossen Arnulf und Bjørn, sobald sie Lindholm erreicht hätten, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Svea und Silja wollten sie mitnehmen und in der Fremde ihr Glück machen.

„Aber wo sollen wir uns hinwenden?“ fragte Bjørn, „In Jütland kennt der alte fast jeden Stein mit Namen. Da werden uns alle Türen verschlossen bleiben.“ „Wie wärs mit Haitabu?“ entgegnete Arnulf, „Als ich das letzte mal da war, hab ich mit ein paar Kempen gezecht, die von Marketendertrossen zu berichten wussten, bei deren Bewachung man gutes Silber ernten kann. Die Frauen können sich bei so einem Tross auch nützlich machen.“

In Haitabu angekommen trafen sie auf einen Marketendertross, dem sie sich anschlossen. Das war vor vier Sommern. Vier Sommer voller Mühsal und Kampf, aber auch voller Geselligkeit und Heiterkeit im Dienste des Trosses, mit dem sie noch immer durch die Lande der Slawen, Sachsen und Friesen ziehen.

 

Kapitel 2

„So, das wäre geschafft!“ Arnulf zieht die schwere Schuppentür ins Schloss und dreht den großen Schlüssel. Kaum ein Geräusch ist zu hören, als der Mechanismus einrastet. „Gute Arbeit, die uns Udalrich da verkauft hat.“ „Wahrhaftig! Schade, dass von uns keiner das glühende Eisen bändigen kann. Ist ja ein gehöriger Batzen Silber, der immer für die Schmiedewaren über den Tisch geht.“ Björn wischt sich den Schweiß von der kahlen Stirn. „Gut, das wir die Zelte, Wagen und das Geraffel jetzt winterfest verstaut haben. Ab jetzt können wir uns all den Dingen widmen, die wir uns für den Winter vorgenommen hatten...“ Arnulf blickt Björn mit gerunzelter Stirn an. Björn versucht verzweifelt ernst zu bleiben, doch vergebens. Plötzlich brechen beide in schallendes Gelächter aus, dass weit über den Hof des Winterquartiers hallt. „Sag mal Beulenschädel, wie oft haben wir das ‚mach ich im Winter’ dieses Jahr gehört?“ „Keine Ahnung, Rotauge. Als mir die Finger und Zehen zum Zählen ausgegangen sind, musste ich damit aufhören.“ Erneut brandet das Gelächter auf. Plötzlich schallt es vom Langhaus über den Hof zurück: „Ruhe!! Ihr Nichtsnutze weckt noch die Kleinen auf!“ Aleke steht in der Tür und schaut teils streng, teils belustigt zu den beiden Kerlen herüber. „Was ist überhaupt so lustig??? Arnulf, ist das Holz schon gehackt?“ „Mach ich im Winter...“ Nun gibt es kein Halten mehr. Selbst Aleke muss sich das Lachen verbeißen und verschwindet kopfschüttelnd aber breit grinsend wieder im Haus. Björn schnappt nach Luft und jappst „So, Schluss jetzt, sonst wecken wir die kleinen wirklich noch auf.“...

 

... die Kleinen?... Ja, viel hat sich verändert im Tross...

 

Seit fünf Jahren zieht der Tross nun schon durch die Lande. Fünf Jahre, in denen Menschen zum Tross gestoßen sind und Menschen den Tross verlassen haben. Auch sonst hat sich manches geändert. Aber was war das für ein Jahr für Silja und Björn...

Alles fing mit einem Gespräch zwischen Silja und Björn an, dass sie führten, als sie im vorletzten Sommer mal wieder auf einem staubigen Weg neben den Wagen dahertrotteten. Sie berieten, warum der Gott oder die Götter ihnen keine Kinder schenkten, obwohl sie nun schon seit so langer Zeit das Lager teilten. Im Verlauf des Gespräches bedrängte Björn Silja, ob sie nicht auch dächte, dass es langsam an der Zeit wäre, den Bund der Ehe einzugehen. Vielleicht zürnten ihnen die Götter ja deshalb und verweigerten ihnen die ersehnte Kinderschar. „Ich möchte beide Hände gebrauchen können, um meine Bälger auf den Arm zu nehmen und nicht eine für den Krückstock brauchen müssen. Also, lass uns den Bund eingehen.“ brummte Björn. Silja blickte ihn aus der Tiefe ihrer blauen Augen an und lächelte dann verschmitzt: „Als wenn ihr Mannsbilder euch groß um die Kinder kümmern würdet. Nur die Dummheiten bringt ihr ihnen bei. Und außerdem muss ich dir sagen, dass ich mir überlegt habe, dass ich keinen Heiden heiraten kann, der meinen Vater erschlug!“ sprach’ s und ging.

Björn war vor Schreck erstarrt. Fast wäre er vom Ochsenkarren hinter ihm überrollt worden, hätte Tronde ihn nicht laut brüllend aus seiner Starre gerissen. „He, wach auf Beulenschädel!!! So eine Wagenspur macht sich nicht gut auf deinem Wams.“

Nun das war neu für Björn. Fünf Jahre war das mit dem Raubzug auf Siljas Dorf nun her und nie hatte Silja ihm das in späterer Zeit vorgeworfen. Er war ja auch immer gut zu ihr gewesen und hatte am Ende ihr Vertrauen gewinnen können. Für Björn stand es nie in Zweifel, dass sie den Bund eingehen und Kinder haben würden. Schließlich hat er deshalb mit seinem Vater zerstritten und seine Heimat am Limfjord verlassen. Silja hatte es auch nie in Zweifel gestellt. Warum jetzt dieser Sinneswandel?

Abends im Lager nahm Björn Silja beiseite und fragte sie besorgt, ob ihre Bemerkung womöglich auch bedeuten würde, dass sie sich einen anderen suchen wolle. Überraschenderweise grinste Silja ihn nur breit an: „Mannsvolk!! Was habe ich denn vorhin gesagt?“ „Dass du mit mir nicht den Bund eingehen willst, weil ich deinen Vater erschlagen habe.“ entgegnete Björn, nun etwas trotzig. „Nein, dass habe ich nicht gesagt! Ich sagte, ich könne keinen Heiden heiraten, der meinen Vater erschlug. Daran, dass Du meinen Vater erschlagen hast, kann ich nichts mehr ändern, aber...“ Silja blickte Björn erwartungsvoll an. Der aber verstand nun gar nichts mehr. Widerwillig wälzte er die Worte in seinem Kopf hin und her. Plötzlich dämmerte es ihm. Mit keinem Heiden... aber das würde ja bedeuten... „Du willst, dass ich mich taufen lasse?!?“ platzte es voller Entrüstung aus Björn heraus. „Jetzt hast Du mich verstanden. Sieh es als Blutgeld. Außerdem werde ich keine Heidin. Welcher Priester oder Gode sollte uns also in die Ehe führen?“ Silja, nun tief ernst, blickte Björn noch einmal tief in die Augen und ließ ihn abermals stehen.

Die folgenden Tage verbrachte Björn mit angestrengtem Nachdenken und Abwägen der Lage. Auch versuchte er noch einige Male, Silja zu überreden, von ihrem Ansinnen abzulassen, doch ohne Erfolg.

Eines Tages, Björn lenkte gerade einen der Ochsenkarren, stießen zwei Krähen wild zankend aus den Höhen herab. Björn bemerkt sie erst gar nicht, da er mal wieder tief in Gedanken war. Die Ochsen bemerkten das wilde Geflatter und Gekrächze um ihre Köpfe herum aber sehr wohl und wurden unruhig. Und da ihr Kutscher augenscheinlich nichts gegen die Störung zu unternehmen gedachte, versuchten sie, dem Gelärme auf eigene Faust zu entkommen. Als Björn bemerkte, dass ihm die Zügel entglitten und die Ochsen in einen Galopp verfielen, war es bereits zu spät. Der Wagen kam vom Weg ab, glitt eine Böschung herab und überschlug sich. Sämtliche Waren und Ausrüstungsgegenstände ergossen sich über Björn und begruben ihn unter sich. Das letzte, was noch in Björns Bewusstsein drang, war, dass ihn etwas am Kopf traf...

Als Björn die Augen wieder öffnete, sah er den wolkenlosen Sommerhimmel, unterteilt von einem riesigen Kreuz. Einen Augenblick später verschwanden die Kreuzbalken gen Himmel und Björn vernahm durch das Brausen und Hämmern in seinem Kopf die Stimmen von Thoranor, Thoralf und Arnulf. „Was der immer für ein Glück hat...“ „Ja, und einen Schädel wie aus Marmor. Die vielen Beulen scheinen ihm auch nichts auszumachen...“ „Und dennoch hätte der Schädel seine letzte Beule kassiert, wenn sich das Zeltgestänge nicht über ihm verkeilt hätte. He, komm zu Dir!!! Es ist noch alles dran. Versuch mal, gerade zu stehen!“

Nun, dass Geradestehen sollte Björn noch einige Zeit schwer fallen. Auch litt er unter rasendem Kopfschmerz... bis zum Metgelage am Abend, dass er zur Feier des Tages abhielt.

Während alle am Feuer saßen und fröhlich zechten, nahm Björn Silja wieder beiseite. „Fang nicht wieder an, Björn! Ich werde keine Heidin! Auch nicht nach dem, was heute passiert ist!“ doch Björn streichelte ihre Hand beschwichtigend. „Nein, nein. Ich wollte dir nur sagen, dass ich es mir überlegt habe. Das Leben kann verdammt kurz sein... und um mit dir den Bund zu schließen ist das Taufen wahrlich ein geringes Opfer... und außerdem bekomme ich so endlich ein neues Leinenhemd und...“ Der Rest ging in einer stürmischen Umarmung unter. „Komm, dass müssen wir gleich den anderen sagen!“ Silja war außer sich. „Ja, geh schon mal. Ich komme gleich nach.“ Als Silja verschwand, blickte Björn ihr nach. Sicher war sie es wert, sich für sie taufen zu lassen. Was Björn ihr aber nicht gesagt hatte, war, dass er die Geschehnisse von heute als Zeichen deutete... die Krähen... das Kreuz... all das machte es ihm leichter, Siljas Wunsch zu erfüllen.

Das Gejohle war jedenfalls groß, als Silja und Björn die Neuigkeit verkündeten. Kurzerhand wurde beschlossen, dass am nächsten Tag hier gerastet werden sollte. Und da in dieser Nacht kaum geschlafen wurde, war das auch bitter nötig.

Einige Wochen später, das Laub hing schon rot und gelb in den Bäumen und der Tross war gerade wieder nach Haitabu gelangt, suchten Silja und Björn sich einen Priester, um das Nötige für Björns Taufe und die Trauung zu besprechen.

Der Priester, den sie fanden, war ein rundlicher Mann in den besten Jahren, die Tonsur sauber rasiert und die Kutte tadellos. Björn wunderte sich ein wenig, wie ein Priester so wohl genährt sein könne wenn sein Gott doch Enthaltsamkeit gebot. Nun denn, als der Priester Siljas und Björns Anliegen vernommen hatte runzelte er die Stirn und lamentierte, dass auch Christ nicht jeden in seine Herde lassen könne. Denn sicher hätte Björn schwere Schuld auf sich geladen, wo er doch als Heide und Kempe durch die Lande gezogen sei. Silja starrte den Geistlichen fassungslos an. „Unser Priester hat mich gelehrt, dass der Christ die Nächstenliebe und Vergebung gepredigt hat. Wie könnt ihr also meinem Verlobten die Taufe verweigern?!“ Björn schwieg zunächst und verfolgte das Schauspiel mit regem Interesse. Irgendwann verzog er das Gesicht zu einem wissenden Grinsen und gab dann nur zwei Worte von sich: „Wie viel?“ Silja und der Priester verstummten jäh und starrten Björn an. Doch während Silja nichts verstand, machte der Priester erst ein beleidigtes Gesicht, begann dann wieder über Björns schwere Sünde zu lamentieren und sagte dann: „Mit drei Pfund Silber sollte deine Schuld getilgt sein.“ Ein furchtbare Gefeilsche hub an und endete bei einem Pfund und 12 Lot Silber für Taufe und Trauung... Kost und Logis für den Priester nicht eingerechnet.

Zufrieden verließ Björn die Hütte des Priesters, die zornige Silja im Schlepptau. „Gut, dass ich Tronde beim Feilschen so oft beobachten konnte. Da kann man viel lernen. Und nun beruhige Dich. Wir haben heute etwas wichtiges gelernt. Die Götter mögen unterschiedlich in ihrem Charakter sein. Ihre Priester sind aber alle gleich.“

Eine Woche später fand die Zeremonie am Ufer der Schlei, etwas außerhalb von Haitabu statt. Björn wurde ins Wasser getaucht und getauft. Gleich darauf stand er, in seinem neuen Hemd aus weißem Leinen und einem silbernen Kreuz aus dem fernen Island auf der Brust, neben Silja und lauschte den Worten das Priesters, die die Ehe der beiden besiegelten.

Ein rauschendes Fest folgte der Zeremonie, in dessen Verlauf reichlich geschmaust und gezecht wurde. Besonders der Priester tat sich dabei hervor, und niemand, der ihm dabei zusah wunderte sich noch über dessen Rundlichkeit.

Ungefähr neun Monate später...

Wieder einmal zog der Tross in sengender Sommerhitze über staubige Straßen. Silja, deren Bauch inzwischen kugelrund war, saß bei Tronde auf dem Wagen, da ihr das Laufen inzwischen sehr schwer fiel. Björn, der kaum noch von ihrer Seite wich, schaute teils stolz, teils besorgt auf sein Weib. Silja hatte ihm in den letzten Tagen öfter von leichtem Ziehen im Bauch berichtet, wenn sie abends in ihrem neuen Zelt lagen und fühlten, wie das Kind im Bauch strampelte „Sitzt du auch bequem? Soll ich Dir noch ein Fell holen? Geht es Dir gut? Soll ich dir einen Becher Wasser holen?“ „Björn, beruhige Dich. Mit Silja ist alles in bester Ordnung. Sie ist ein starkes Frauenzimmer. Und vor allem ist sie in besten Händen, wenn es soweit ist.“ Freya lief hinter Björn. Sie war eine von denjenigen, die neu zum Tross gestoßen waren. Sie kannte sich hervorragend in der Heilkunde und mit Kräutern aus und war nicht nur deshalb ein echter Gewinn für den Tross. Konnte Björn doch schon kaum noch die Male zählen, die Freya seine oder die Wunden anderer Trosser verbunden hatte. Auch Bedürftige, auf die der Tross unterwegs traf, blieben nicht unversorgt. Und als Aleke und Thoranor ihr Kind erwarteten half Freya auch der kleinen Erin auf die Welt. Nun, wenn Freya sagte, dass alles in Ordnung wäre, dann sollte das wohl stimmen. Also verließ Björn seinen Posten bei Silja, griff sich Schild und Helm und ging, um sich dadurch abzulenken, dass er die Vorhut übernahm.

Früh am nächsten Morgen wurde er dadurch geweckt, dass Silja ihn sanft berührte und ihm ins Ohr flüsterte: „Werd langsam wach. Du musst Freya holen.“ Dann drehte sie sich wieder auf den Rücken und begann tief zu atmen. Björn wusste erst nicht so recht, ob er geträumt hatte. Doch dann sickerten Siljas Worte langsam in sein Bewusstsein und hallten dort nach ... Freya holen... Freya ... holen... . Plötzlich war Björn hellwach, griff sich seine Hose und stürmte aus dem Zelt. Panisch hastete er durch das Lager und rannte dabei durch die, zum Glück halbwegs erkaltete Feuerstelle, stieß sich den nackten Fuß am Kessel und knallte mit dem Kopf mal wieder gegen das gemeinschaftliche Vorzelt. „Freya, Freya!“ brüllte er, vor ihrem Zelt angekommen. „Silja sagt, ich soll dich schnell holen!“ Binnen weniger Augenblicke war nicht nur Freya sondern der gesamte Tross auf den Beinen. „Schnell, trag mir meine Kräutertruhe zu euch ins Zelt!“ befahl Freya Björn und eilte voraus.

Auf dem Weg ergriff sie Thoralf und trug ihm auf, im Kessel heißes Wasser zu bereiten.

Als Björn mit Freyas Truhe sein Zelt erreichte stellte er diese neben das Bett und wollte dem Trubel um seine Lagerstatt zuschauen, doch Freya und Algrid, die auch hinzugeeilt war, warfen ihn sprichwörtlich aus seinem Zelt. Verdutzt blickte er in die Gesicherter der anderen, die sich inzwischen eingefunden hatten und nun gespannt der Dinge harrten, die da kommen sollten. Dann begann er plötzlich wie ein Bär vor seinem Zelt auf und ab zu laufen.

Als sich nach einer Weile nichts tat, außer, dass man Stöhnen und aufmunterndes Gemurmel aus dem Zelt hörte, verteilten sich die Trosser wieder, natürlich bis auf Björn, und begannen, die üblichen Dinge des Morgens zu verrichten. Irgendwann kam Arnulf zu Björn „Komm doch frühstücken.“ „Keinen Hunger.“ brummte Björn zur Antwort. Und so ging es jedem, der versuchte, Björn abzulenken. Man hörte nur „Keine Lust.“ „Keinen Durst.“ „Bin nicht müde.“ oder gar „Lass mich!“. Bald ließ man ihn einfach seine Bahnen ziehen.

Als die Nacht hereinbrach lief Björn immer noch auf und ab. Das leise Stöhnen im Zelt war schon vor geraumer Zeit einem urtümlichen Brüllen gewichen, doch irgendwie schien es nicht voranzugehen. Zwischenzeitlich hatte Freya heißes Wasser gefordert, weil sie für Silja einen kräftigenden Tee brauen wollte. Sie versuchte, Zuversicht auszustrahlen, konnte aber eine gewisse Besorgnis nicht verbergen. Björn hatte das mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Da er aber nichts tun konnte, zog er eben weiter seine Bahnen.

Plötzlich war außer Schnaufen und einem hektischen Rascheln im Zelt nichts mehr zu hören. Die Stille war geradezu gespenstisch und alle im Lager hielten den Atem an. Quälende Sekunden lang geschah nichts. Dann war das kräftige Stimmchen eines Neugeborenen zu hören, dass seiner Entrüstung über die überstandenen Anstrengungen Luft machte. Algrid schlug die Zelttür beiseite und reichte Björn ein kleines Bündel. „Es ist ein Mädchen!“ sagte sie, aber in ihrer Stimme schwang Ernst mit. „Nimm sie. Wir müssen uns noch um Silja kümmern. Für sie war es nicht leicht.“ sagte sie und klappte das Zelt wieder zu.

Björn blickte in das Bündel, aus dem ihn kleine, wache Äuglein aufmerksam musterten. „Du bist das also. Nun, willkommen in der Welt, kleines! Ich hoffe nur, dass Du auch deine Mutter kennen lernst. Möge Christ ihr helfen!“ das waren die ersten Worte an seine Tochter. Die anderen waren inzwischen zu Björn gekommen um ihm Gesellschaft zu leisten und das Kind zu begrüßen. „Wie soll meine Nichte denn heißen?“ fragte Svea. „Silja und ich hatten besprochen, dass sie Marit heißen soll, wie unsere Großmutter. Marit Björnsdottier! Björns kleine Perle.“

Als sie da so standen kam Freya aus dem Zelt. Blut klebt an ihrem Kleid. „Gib mir die kleine. Sie braucht ihre erste Milch. Und Silja bekommt danach einen Tee, damit sie gleich schlafen kann. Morgen sieht dann wieder alles ganz anders aus. Wie ich schon sagte, Silja ist ein starkes Frauenzimmer. Das hat sie aber auch gebraucht, denn Marit hat es Silja und sich selbst nicht einfach gemacht. Jetzt wird aber alles gut.“ Sie nahm Björn das Bündel ab und verschwand wieder im Zelt.

Das war die Nachricht, auf die alle gewartet hatten. Nun hob großes Hallo und Beglückwünschen an. Björn wurde an das Feuer geführt und Met und Bier flossen in Strömen bis in den frühen Morgen.

Silja erholte sich schnell von den Strapazen der Geburt und Marit wuchs, gedieh und bereitete ihren Eltern viel Freude. Mit Erin, Marit und Falco wuchs im Tross nun also bereits die nächste Generation heran.

 

... ja, ja die Kleinen... viel hat sich verändert im Tross...

 

Ein wüster Knuff holt Björn in die Gegenwart zurück, als Arnulf Björn zum Hauklotz zieht. „Träumst Du?!? Ich muss Holz hacken und Herr Bernsson bohrt große Löcher in die Wolken! Hilf mir gefälligst und schichte die Scheite auf. Ich will noch was schaffen in diesem...“ „... Winter.“ ergänzt Björn lachend, aber nicht minder bereitwillig.

 

 

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